Heinrich Bieg – Ein deutscher Nazi in der Schweiz

Heinrich Bieg (1912–1987) war von November 1941 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs Reichsjugendführer der Reichsdeutschen Jugend (RDJ) in der Schweiz, der Auslandsorganisation der Hitlerjugend. Unter seiner Führung wurden die Organisationsstruktur und die Mitgliederzahl der RDJ erheblich ausgebaut. Zahlreiche öffentliche Aktivitäten zeugten von der Präsenz deutscher Nazi-Organisationen in der Schweiz. Ferienlager im Ausland, insbesondere in Freiburg, stärkten die Verbindungen zwischen der deutschen Hitlerjugend der Schweiz und Nazideutschland. Das Leben der RDJ-Mitglieder wurde von der Reichsjugendführung streng reglementiert.

Schweizer Behörden hatten die Aktivitäten der RDJ zunächst toleriert, ihre Kritik jedoch nach und nach verschärft. Dennoch verfügten Bieg und die RDJ bis zum Kriegsende über einen erstaunlich grossen Handlungsspielraum. Die RDJ wurde am 1. Mai 1945 aufgelöst und Bieg aus der Schweiz ausgewiesen. Im Jahr 1959 konnte er wieder in die Schweiz einreisen. Biegs Geschichte in der Schweiz wirft nicht nur ein Licht auf die Organisation und die Reaktion auf lokal aktive Nationalsozialisten, sondern liefert auch Einblicke in die Ansichten und das Verhalten der Schweizer Behörden.